NACHHALTIG ERFOLGREICH IM E-COMMERCE

Noch bevor der Onlinehandel im Zuge der Coronakrise eine zusätzliche Aufwertung erfahren hat, rückte eines der wichtigsten gesellschaftspolitischen Themen zunehmend in die digitale Welt: Nachhaltigkeit und Umweltschutz.

Gregor Weindorf
Gregor Weindorf
Der Sustainability-Trend reicht auch hier von Produkten über Verpackung und Versand bis hin zur ökologischen Stromversorgung von Servern. Gleichzeitig sind Aspekte wie Umweltschutz, fair gehandelte Produkte und Arbeitsbedingungen zu wichtigen Kriterien für die Kaufentscheidung junger Generationen geworden.

Boom im Onlinehandel

Der rasante Bedeutungszuwachs im Onlinehandel ist längst nicht mehr aufzuhalten. Die Bereitschaft dazu, Produkte überwiegend online zu bestellen, nimmt stetig zu, beschleunigt in den vergangenen knapp zwei Jahren durch Coronakrise und wiederholte Lockdown-Maßnahmen. Zwangsläufig damit einher geht allerdings auch ein immenser Zuwachs an Paketsendungen, was neben beträchtlichen (Verpackungs-) Müllbergen auch einen transportbedingt massiv erhöhten CO2-Fußabdruck zur Folge hat. Hinzu kommen wiederholte Zustellungsversuche oder Retouren von Waren.

 

Die reine Menge an Abfall und Schadstoffen hat sowohl bei den Kunden als auch bei Unternehmen zu einem Umdenken geführt. Genau hier setzt „Sustainable E-Commerce“ an: mittels Technologie, dem Verkauf zunehmend umweltfreundlicher Produkte, recycelten Verpackungen und CO2-freien Transportwegen soll der Onlinehandel zukunftssicher gemacht und das Thema Umweltschutz  noch sichtbarer gemacht werden.

NACHHALTIG ERFOLGREICH IM E-COMMERCE

Nicht nur Marketing – Shopbetreiber setzten auf Nachhaltigkeit

Was im Laden gilt, gewinnt auch zunehmend online an Bedeutung: Jeder zweite Shopbetreiber vermeidet Plastik in seinen Verpackungen (Quelle: Trusted Shops Umfrage https://www.pressebox.de/pressemitteilung/trusted-shops-gmbh/Nachhaltigkeit-beim-Online-Shopping-gewinnt-an-Bedeutung/boxid/988342). Das bedeutet einerseits, dass es sich um wiederverwendbare Materialien aus nachhaltigen Quellen handelt. Zum anderen sollten alle Versandutensilien aus sozialen Produktionsbetrieben stammen. Denn auch Fairtrade wird im E-Commerce immer wichtiger und wird von vielen Kunden ausdrücklich eingefordert.

 

In Sachen Logistik und Transport können Unternehmen ebenfalls einen bedeutenden Beitrag zum Umweltschutz leisten. Eine wichtige Aufgabe besteht darin, Leerfahrten zu vermeiden. Durch neue Technologien und smarte Prozesse können Versandfahrten genau geplant und Ressourcen somit sinnvoller eingesetzt werden. Das fällt großen Konzernen mit unzähligen Lieferungen deutlich leichter als kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU). Letztere arbeiten daher häufig mit Versandunternehmen zusammen, die größere Mengen zusammenbringen und somit effiziente und ökologische Lieferungen ermöglichen.

Zustellbetriebe können auf klimaneutrale Energien und nachhaltige Versandkonzepte setzen, um ihre Klimabilanz zu verbessern.  GoGreen z.B. ist eine Initiative von DHL für den CO2-neutralen Transport von Sendungen. Die durch den Transport entstehenden CO2-Emissionen werden nach ISO 14064 ermittelt und anschließend nach den Zielen und Vorgaben des Kyoto-Protokolls durch DHL-eigene Klima-Projekte ausgeglichen.

 

Die Green-Logistik bietet zahlreiche Methoden, mit denen sich CO2 einsparen und die Umwelt entlasten lässt. Nicht zuletzt sind Kooperationen mit lokalen Partnern und eine gelebte grüne Firmenphilosophie wichtige Schlüssel für ein nachhaltiges Wirtschaften im E-Commerce.

 

NACHHALTIG ERFOLGREICH IM E-COMMERCE

Bewusster leben – bewusster einkaufen

Vor allem junge Erwachsene, Millennials und die Generation-Z legen viel Wert auf umweltfreundliche und nach ethischen Prinzipien operierende Unternehmen und Produkte. Die aktuelle Trendstudie der Otto Group (https://static.ottogroup.com/media/docs/de/trendstudie/Otto-Group-Trendstudie-zum-ethischen-Konsum-2020.pdf) verdeutlicht das anhand folgender Erkenntnisse:

 

  • 70 Prozent der Deutschen sagen, dass ethische Kriterien fester Bestandteil der Kaufüberlegungen geworden sind
  • 82 Prozent wünschen sich, dass Retouren wiederverkauft werden und nicht gleich recycelt oder vernichtet werden.
  • Gut zwei Drittel (68 Prozent) der Deutschen würden einen Anbieter boykottieren, der seinen Mitarbeiter*innen schlechte Arbeitsbedingungen bietet.
  • Für 73 Prozent der Deutschen sollten Entsorgung und Aufbereitung von Verpackungen Angebote im E-Commerce werden.
  • 63 Prozent sind bereit, für einen klimaneutralen Versand zu zahlen.

 

Diese Ergebnisse zeigen deutlich, welchen Stellenwert faire, nachhaltige und umweltfreundliche Produkte generationsübergreifend mittlerweile einnehmen. Auch die Anzahl von Onlineshops, die nur nachhaltige Produkte anbieten, ist in den letzten Jahren rasant gestiegen. Ob bei Onlinehändlern wie www.kein-planet-b.de, www.lilligreenshop.de oder Bio-Modelabeln wie www.hessnatur.com: hier gelangen nur fair produzierte Produkte in das Sortiment.

 

Gleichzeitig entdecken auch StartUps die Nachhaltigkeit als großes Zukunftsthema: Durch die niedrige Einstiegsbarriere in den Onlinehandel können mutige Unternehmer:innen unkompliziert, schnell und direkt die passende Zielgruppe ansprechen und nachhaltige oder umweltfreundliche Produkte verkaufen. Das StartUp Saatgutkonfetti z.B. verkauft umweltfreundliches, kompostierbares Konfetti mit dem Saatgut 24 heimischer Pflanzenarten. Wie man schonend mit Ressourcen umgehen und gleichzeitig auch einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft ausüben kann, zeigt das Projekt „MyBoo“: Unter www.my-boo.de kann man sein Fahrrad aus Bambus bestellen. Das Fahrrad wird gemeinsam mit einem sozialen Projekt in Ghana produziert. In 80 Stunden Handarbeit entstehen Unikate mit besonderem Fahrkomfort. Zusätzlich finanziert jeder Kauf eine Schule in Ghana mit über 300 Kindern.

Die Zukunft ist grün

Es wird deutlich, dass E-Commerce und Nachhaltigkeit in Zukunft nicht mehr voneinander zu trennen sind und sich der Klimaschutz weiter als ausschlaggebender Faktor in der Kaufentscheidung manifestieren wird. Wer heute bereits auf faire Produkte und eine nachhaltige Strategie setzt, der kann sich damit einen deutlichen Vorsprung zum Wettbewerb erarbeiten. Bereits eine gute Idee und ein zugehöriger Onlineshop können den Start in eine grünere Zukunft bedeuten.

Ähnliche Beiträge