New Work Glossar (1/2)

Exponentielle Beschleunigung ist wahrscheinlich eines der Schlüsselwörter, wenn man dereinst auf die Jahre 2020 und 2021 zurückblickt. Nicht nur in Bezug auf pandemische Ansteckungslagen und Inzidenzen, auch und insbesondere in Sachen Digitalisierung hat die coronabedingte Ausnahmesituation Prozesse auf die Überholspur befördert, die zuvor allenfalls in gemächlichem Tempo auf der Datenautobahn in Richtung Zukunft unterwegs waren.

Christopher Büchele, Katharina Kirchner
Christopher Büchele, Katharina Kirchner
Regelmäßige Meetings mussten in Windeseile in den digitalen Raum verlagert werden, Firmennetzwerke auf das Homeoffice ausgeweitet, Prozesse an eine Situation angepasst werden, in der tatsächliche Interaktion nur noch in Ausnahmefällen möglich war. Mit der Rückkehr zu einem Neuen Normal wird diese Beschleunigung auch Spuren hinterlassen haben in der Art, wie wir unsere Arbeit künftig miteinander und in Abgrenzung von der klassischen Büroarbeit organisieren wollen. Eine Vielzahl bereits etablierter Modelle gibt mögliche Eckpunkte dieser Arbeitsplatz-Revolution vor und lädt zur Hybridisierung unseres Arbeitsalltags ein. Wir stellen sie Ihnen in zwei Beiträgen genauer vor.

REMOTE WORKING

Schon vor Corona ein Trend, der unaufhaltsam schien: Remote Work (dt: „Fernarbeit“) beschreibt ein Arbeitsmodell, bei dem der Arbeitnehmer nicht mehr an das Firmenbüro gebunden ist, sondern von überall aus seiner Tätigkeit nachgeht bzw. nachgehen kann. Dafür müssen sich seine Aufgaben komplett online erledigen lassen und eine sichere VPN-Verbindung mit dem Unternehmen möglich sein. Präsenzpflicht existiert in solchen Fällen kaum oder gar nicht.

 

HOMEOFFICE

Anders als das sehr offene Remote Working umfasst der Homeoffice-Begriff eine Arbeitsform, bei der die Beschäftigten ihre Arbeit vollumfänglich oder teilweise aus dem privaten Umfeld heraus ausführen, was auch steuerrechtliche Konsequenzen für den Arbeitnehmer haben kann. Als übergreifender Organisationsansatz dient er der Flexibilisierung der Arbeit, macht aber die Vor-Ort-Präsenz im Office – beispielsweise für Projektmeetings – im Regelfall nicht gänzlich obsolet. Wichtig ist in diesem Kontext auch die genaue Abgrenzung zur Teleheimarbeit, für die der Gesetzgeber anders als beim gelegentlichen Homeoffice strenge Erwartungen beispielsweise an die ergonomische Gestaltung des Heimarbeitsplatzes hat.

 

TELEHEIMARBEIT

Teleheimarbeit wurde mit der Novellierung der Arbeitsstättenverordnung erstmals im November 2016 gesetzlich definiert. Demnach sind „Telearbeitsplätze vom Arbeitgeber fest eingerichtete Bildschirmarbeitsplätze im Privatbereich der Beschäftigten, für die der Arbeitgeber eine mit den Beschäftigten vereinbarte wöchentliche Arbeitszeit und die Dauer der Einrichtung festgelegt hat.“ Und das schließt nicht nur eine vertragliche Vereinbarung darüber, sondern auch die Ausstattung mit dem entsprechenden Mobiliar mit ein. Regelungen zu beispielsweise Remote Working oder Homeoffice geht eine derartige gesetzliche Grundlage ab.

Schöne neue Arbeitswelt: Diese Begriffe müssen Sie jetzt kennen (1/2)

OPEN SPACE OFFICE

Das Open Space Office bezeichnet eine offener gestaltete Alternative zum klassischen Großraumbüro, demgegenüber der Open Space-Ansatz eine spürbar verbesserte Arbeitsatmosphäre zum Ziel hat. Erreicht wird diese durch die kluge und kreative Ausgestaltung der gemeinsam genutzten Arbeitsfläche zur Beförderung von Effizienz und Kommunikation. Etwa indem Arbeitsplätze mit nur geringer Abschirmung in einzelne Abteilungen gruppiert werden und separate Lounges zur Pause, Kommunikation oder zum Telefonieren einladen. Angelehnt an klassische Coworking Spaces auch in Verbindung mit dem flexiblen Desk Sharing genutzt.

 

COWORKING SPACES

Unter Coworking Spaces versteht man offen gestaltete Räume und Arbeitsplätze, die von verschiedenen „Mietern“ als Bürofläche genutzt werden können – unabhängig von Branche und Arbeitgeber, ob Freelancer oder selbstständig. Die Idee des „freien Büros“ entstand Anfang der 2000er Jahre in den USA, um Nutzern einen kreativen Austausch zu ermöglichen. Ziel: Neue Projekte und Synergieeffekte. Mittlerweile sind Coworking Spaces vor allem in Städten eine Alternative zum Büro oder dem Homeoffice und bieten den Coworkern neben Schreibtisch, und Internetanschluss auch andere Annehmlichkeiten wie Kaffee-Flatrates.

 

DESK SHARING

Desk Sharing, auch “Flexible Office”, bezeichnet eine Organisationsform, bei der Mitarbeiter ihren Arbeitsplätz im Büro in regelmäßigen Abständen frei wählen dürfen. Das Wegfallen des personalisierten Arbeitsplatzes ist das Ergebnis flexibilisierter Arbeitsmodelle, die oft aus einer Kombination von Homeoffice– oder Remote Working-Modellen mit Präsenztagen im Unternehmen besteht. Vorteil für die Unternehmen: Geteilte Office-Plätze ermöglichen einen großzügigeren Umgang mit frei gewordenen Flächen als sogenannte „Möglichkeitsräume“ für Interaktion, Kommunikation und Innovation.

 

VERTRAUENSARBEIT

Bei der Vertrauensarbeit oder Vertrauensarbeitszeit gibt das Unternehmen keine konkreten Arbeits- oder Anwesenheitszeiten vor. Stattdessen einigen sich Arbeitgeber und -nehmer auf eine bestimmte Wochen- oder Monatsarbeitszeit, die vom Mitarbeiter flexibel eingeteilt werden kann. Dafür gibt es (bisher) keine gesetzliche Grundlage. Sie kann aber vertraglich oder mündlich zwischen beiden Parteien vereinbart werden. Meist profitieren beide Seiten von einer solchen Vereinbarung, da agil auf wechselnde Arbeitsanforderungen reagiert werden kann, aber dennoch die Work-Life-Balance gewahrt ist.

 

WORK LIFE BALANCE / WORK LIFE BLENDING

Die Work Life Balance umschreibt das ausgewogene Verhältnis von Berufs- und Privatleben mit dem Ziel, private Interessen mit den Anforderungen der Arbeitswelt in Einklang zu bringen. Während insbesondere Homeoffice-Vereinbarungen im Ruf stehen, diese Balance entscheidend zu befördern, besteht hier auch die Gefahr des sogenannten Work Life Blending: Damit umschrieben wird die zunehmende Vermischung von Berufs- und Privatleben, die eine klare Trennung beider Bereiche schwierig macht und oft zu hohen auch psychischen Belastungen führen kann.

 

Fortsetzung folgt…

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